Der Gemeinderat von Riehen hat auf Anfang 2026 ein eigenes
Reglement für Strassenmusik und Strassenkunst verabschiedet. Die kantonale Verordnung von Basel-Stadt hat in der Gemeinde Riehen keine Gültigkeit, weshalb eine eigene Regelung nötig war. Ziel sei es laut Gemeinderat, “die Interessen von Kunstschaffenden, Anwohnenden und Geschäften im Dorf in Einklang zu bringen”. Die Fraktion SP/JUSO des Einwohnerrates kritisiert die aktuelle Auslegung und stellt mittels einer neu eingereichten Interpellation Fragen.
Als Ende letztes Jahr die Meldung eintraf, dass die Gemeinde Riehen bei Strassenmusik
und Strassenkunst das Regime des Kantons übernehme, machte sich in der SP
Riehen-Bettingen Skepsis breit. Die Regelung verlangt indes, dass Auftritte jeweils zur
vollen Stunde beginnen und maximal 30 Minuten dauern dürfen. Eine solche Regelung ist im
Kanton, also in der Stadt, durchsetzbar. Eine Strassenmusikerin in Riehen hingegen müsste nach neuer Regelung ebenfalls alle 30 Minuten den Standort wechseln, was in Riehen eine Absurdität darstellt. Riehen – das im Gegensatz zur Stadt – für Strassenmusik maximal zwei lohnenswerte Zentren hat, weist hier offensichtlich eine andere Ausgangslage auf. Auch schien von Anfang höchst zweifelhaft, ob damit – wie behauptet – die Interessen von Kunstschaffenden, Anwohnenden und Geschäften im Dorf tatsächlich in Einklang gebracht wurden. Die Fraktion SP/ JUSO hoffte derweil auf eine kulante Auslegung der Praxis, was nun aber nicht wirklich der Fall zu sein scheint. Die Strassenmusik schien in den
letzten Monaten mehrheitlich verdrängt worden zu sein. Das führt zu Unmut in jenem Teil der
Bevölkerung, welche Strassenmusik eine bereichernde Sache für Riehen halten.
Die aktuelle Situation veranlasst die Fraktion SP/JUSO, namentlich die Einwohnerrätin Anna Verena Baumgartner, dem Gemeinderat mittels einer Interpellation gewisse Fragen zu stellen: Etwa, wie viele Fälle von Strassenmusik oder Strassenkunst in den letzten fünf Jahren in Riehen registriert wurden und in wie vielen Fällen es zu Beschwerden kam, bevor dieses Reglement in Kraft getreten ist. Oder, ob der Gemeinderat bereit ist, das Reglement nach einer gewissen Zeit zu evaluieren und gegebenenfalls zu lockern.
Anna Verena Baumgartner, Interpellantin, lässt sich folgendermassen zitieren: “Die Politik ist dazu da, reale Probleme zu lösen und nicht, neue Probleme und Unmut zu schaffen. Die aktuelle Situation ist unbefriedigend für die Strassenmusik affine Bevölkerung und existenziell bedrohend für Strassenmusiker*innen mit Riehener Bezug. Eine Lösung mit Augenmass wäre angezeigt. Hierfür verlange ich Antworten vom Gemeinderat.”